Hier ist nun die Zusammenfassung meiner ersten Woche: ich werde mich nicht totarbeiten! Nachdem ich ja leider einen etwas genervten Start am Montag hatte, und ich am Dienstag ja die nächste Überraschung mit 'dem anderen Deutschen' erlebt habe, ergab sich keine weitere Steigerung dessen. Ein kleiner Niederschlag war die Information von der Uni-Frau, dass es Kittel gäbe. Daraufhin habe ich meinen natürlich nicht mit nach Südamerika geschleppt. Warum auch? War aber ein Fehler, denn Kittel gibts vom Krankenhaus nämlich nicht gestellt. Muß ich mir also kaufen. Genau wie die OP-Kleidung, Mundschutz, Haube sowie: Überzieh-Schuhe! Hier gibts also keine OP-Schuhe, sondern man behält seine eigenen Schuhe an und darüber kommt so etwas wie eine Haube für den Schuh. Halbwegs wasserundurchlässig...
Also bin ich, nachdem ich den ersten Tag dann ohne Kittel die Sprechstunde mitgemacht habe, losgstiefelt und habe mir den ganzen Klinikkram inklusive Klamotte besorgt und habe 100 Peso dafür hingelegt. Das ganze durch vier, und schon stellt man fest, dass das alles nicht wirklich teuer ist. Das trifft aber in etwa auf alles zu, was man hier so macht. Busfahren 80 Centavo, Kino für 7 Peso, Essen gehen mit ner Flasche Wein 40 Peso und - für die Männer - das Kilo Rind kostet maximal 17 Peso...
Zum Klinikalltag lässt sich weiter sagen, dass drei Mal die Woche OPs stattfinden, oder auch nicht, wenn der Patient nicht kommt oder so, und zwei Mal findet eine offene Sprechstunde statt. Ich bin in einem onkologischen Krankenhaus, und dazu noch in der Kopf- und Halschirurgie, also sehe ich sämtliche Leute mit irgendwelchen Zungen-Karzinomen, Schleimhaut-Karzinomen oder sonstigen Tumoren am Kopf. Das Problem ist nur: ich mache nichts! Untersuchungen und Gespräche machen die Ärzte und die Studenten (inklusive mir) stehen drum herum und gucken zu. Genau wie im OP: Operieren und assistieren tun die Oberärzte und Assistenten, und drumherum stehen die Studenten und gucken zu. Und es ist voll im OP - gezählte 21 Personen waren im Saal plus Patient! Sehr überrascht war ich am ersten Tag, als bei einem der Ärzte das Handy klingelte. Noch viel überraschter allerdings, als er auch wirklich ans Telefon ging! Fotohandys sind insofern beliebt, weil man als Student auch gerne Fotos von der OP macht.. Könnte man sich bei uns ja niemals vorstellen.
Sein Handy überall mit umher zu schleppen ist hier übrigens nichts unhöfliches. Es stört zum Beispiel niemanden, wenn im Kino oder bei irgendnem Vortrag das Telefon klingelt und man abnimmt.
Wie ich schon erwähnte, fängt mein Tag um acht an. Es stört aber niemanden, wenn man erst um halb neun da ist. Sind die meisten Assistenten aber auch erst. Jeden Tag findet für die Studenten noch Unterricht von 60 - 90 min statt, den ich auch gerne besuchen kann. Sind immer ganz interessante Themen und so lernt man nebenbei auch noch etwas. Und wenn dieser Unterricht beendet ist, sind meist auch keine Patienten mehr da, so dass man dann nach Hause gehen kann. Das variiert von Tag zu Tag, will sagen, nach ein Uhr bin ich da noch nicht draußen gewesen... Könnte man sich drüber freuen, aber der Lerneffekt ist natürlich auch nicht ganz so doll. Werde also am Ende dieses Tertials mein 'Schnitt für Schnitt' wahrscheinlich durchgelesen haben, um überhaupt das Gefühl zu haben, Chirurgie gemacht zu haben...







