ohwieschoen

Dienstag, September 12, 2006

Die Welt steht Kopf!
Habe ich
das doch schon am Tag meiner Ankunft festgestellt. Ich habe ja sämtlichen Kram, den ich vermeintlich bräuchte, wie zum Beispiel Bücher und mein Stethoskop, mittels Luftfracht der Lufthansa nach Buenos Aires geschickt. Und das schon ein paar Tage eher, damit ich es gleich mitnehmen kann, wenn ich selber ankomme.
Das Luftfrachtterminal war auch schnell gefunden, allerdings geht die Arbeit hier erst um 9 Uhr morgens los. Gut, 20 Minuten nach 8, habe ja eh nichts vor, also warten wir - meine Taxifahrerin und ich. 9 Uhr, wir kriegen einen Besucherzettel in die Hand gedrückt und marschieren aufs Gelände. Zum Frachtterminal, Halle D. Hier steht in der Halle eine Art Baucontainer mit drei getrennten Büros. Alles gehören irgendwie zum Zoll, aber worin nun der Unterschied zu den einzelnen liegt, kann ich nicht sagen. Beginn der Arbeitszeit ist 10 Uhr, also wieder eine Stunde warten. Ständig laufen irgendwelche Leute vorbei, manche fragen was wir denn wollten. Irgendeiner schickt uns dann zum Lufthansa-Büro, wo ich meinen Lieferschein abstempeln lassen muß. Hier ist zum Glück auch schon offen. Und das Paket ist gestern schon angekommen. Ein kleiner Schritt ist also schon mal getan. Wieder zurück zum Zollcontainer. Mittlerweile ist hier nun auch schon geöffnet. Wir gehen in Büro Nummer 2 und ich zeige meinen Lieferschein und Reisepass vor und kriege einen Stempel auf einen Zettel. Mit diesem Zettel gehen wir in Büro Nummer 1 und ich zeige ihn dort vor. Neue Zettel, neue Stempel. Das Paket wird schon mal in Auftrag gegeben und ich muß eine Liegegebühr von 30 US-Dollar zahlen. Habe natürlich kein Geld dabei. Also zurück zum Auto, Geld in die Tasche gesteckt und wieder zurück. Natürlich sind wir nicht die einzigen, die irgendetwas wollen, also erstmal anstehen. Ich bezahle brav mein Geld, bekomme einen weitern Stempel auf meine Zettel und gehe in Büro Nummer 1. Ich zeige hier meine Zettel vor und die Kopie von meinem Reisepass. Natürlich hatte ich, als ich das Paket aufgegeben habe, noch keinen Stempel vom Argentinischen Zoll drin. Also muß eine neue Kopie her. In der Lagerhalle liegt nun mein Paket. Ich erkläre noch einmal, dass hier nur Bücher drin wären. Schwer genug dafür ist es ja. Es wird aufgemacht - oh Wunder, Bücher! Es geht wieder in Büro 3, von hier aus ins 2. oder 1., überall gibts Stempeleien und dann endlich wird mir gesagt, dass ich mein Paket mitnehmen kann. Es wird dann vorne an die Rampe gestellt (anstatt dass ich einfach in die Halle gehe und es mir nehme...). Mittlerweile ist's ja erst halb 12...
Meine nächste Erfahrung mit "Servicewüste Argentinien" hatte ich dann drei Tage später, als ich die Miete für meine Wohnung abdrücken musste. Natürlich schleppe ich keine 1000 Dollar mit mir herum und deshalb gehts am Montag morgen erstmal zur Bank, Traveller Cheques tauschen. Kann man schließlich in der ganzen Welt ohne Probleme machen. Nur HIER scheinbar nicht! In der fünften Bank gab es dann überhaupt erstmal die Möglichkeit, diese Dinger einzutauschen. Man stellt sich eine große, nein eine riesige Eingangshalle vor, mit ganz vielen Schaltern. Ich gehe zu einem dieser Schalter und frage nun zum 5000. Mal nach Tausch von Traveller Cheques. "Ja, im ersten Untergeschoss" ist die Antwort. Ich gehe also ins Untergeschoss und stelle mich in die Schlange. Schließlich werden hier, laut Schild, Schecks getauscht. Als ich dran bin - es ist mittlerweile halb 11. Ich bin seit knapp 1 1/2 Stunden unterwegs und um 11 hab ich den Termin mit meinem Vermieter! Der Mensch hinter der Glasscheibe sagt mir, ich solle in den nächsten Saal gehen, dort sei der Tausch. Tatsächlich steht über den Kabinen dort auch "Cambio". Als ich dran bin sagt mir der Mann, der Tausch von Traveller Cheques sei im Erdgeschoss und dort solle ich nach Frau P. fragen. Mittlerweile etwas angenervt stiefele ich also wieder ins Erdgeschoss. An einem Tresen trage ich mein Anliegen vor und der Mann will mich doch glatt wieder ins Untergeschoss schicken. Nett aber bestimmt sage ich ihm, dass ich dort ja gerade herkäme, weil mich die andere Frau von da hinten schon vor einer halbe Stunde hingeschickt hätte. Und unten wird mir gesagt, dass ich wieder hoch muß. Ich würde nun also nicht wieder nach unten gehen, weil ich mittlerweile die Schnauze gestrichen voll hätte. Eigentlich hätte ich heulen können... Etwas angenervt fragt er dann wirklich einen Kollegen nach dieser Frau und deutet dann auf den Tresen gegenüber. Na endlich! Natürlich dauert mir alles immer noch zu lange, aber ich habe mich ja hier schon ohne einen Cent Bargeld in der Tasche stehen sehen... Zu meinem Treffen kam ich eine Stunde zu spät...
Um auch hier überall und alle Zeit erreichbar zu sein, wollte ich mir hier "mal eben" eine PrePaid-Karte besorgen. Gibts hier ja schließlich auch. Ich gehe zu der Haupfiliale des Anbieters mit Namen "Movistar". Wieder eine große Halle mit Empfangstresen. Hier trägt man sein Anliegen vor und wird dann von hier aus weiter geschickt. Eigentlich ja ganz clever. Ich werde also zu dem letzten Fenster auf der linken Seite geschickt. Ich sage, ich hätte gern eine Karte und er fragt mich, ob mein Handy denn kompatibel sei, also ein Triband-Handy. Ich sage ja, weil schon ausprobiert. Natürlich glaubt er mir nicht und schiebt irgendeine seiner Simkarten in mein Telefon (Ingas Telefon). Und, siehe da: es funktioniert! Er schickt mich wieder vorne an den Empfangstresen, wo ich sagen solle, dass mein Handy passt. Ich gehe wieder nach vorn, sage, dass alles toll ist. Und bekomme eine Nummer. Sobald die Nummer aufgerufen wird, soll ich an den angezeigten Tresen gehen. Ich bin dran - Tresen Nummer 4. Ich sage ich wolle eine PrePaid-Karte haben. Die Frau hantiert mit irgendwelchen Zetteln in der Gegend rum, und schickt mich mit diesen Zetteln zur Kasse. Dort muß ich eine Gebühr von 12 Peso zahlen, und anstehen. Nach 15 Minuten warten geht es wieder zurück. Ich unterschreibe irgendwas und bekomme mein Telefon samt Sim und Zetteln in die Hand gedrückt. Aufladkarten könnte ich an der Kasse bekommen. Haha, habe ich dort nicht schon einmal angestanden? Also wieder anstehen. Als ich dran bin sind Aufladkarten grade aus, aber im Untergeschoss könnte ich welche bekommen. Oder im Kiosk an der Ecke. Ich gehe ins Untergeschoss, an den Tresen wo niemand ansteht. Und die Frau sagt, Aufladkarten seien grad nicht erhältlich. Aber im Kiosk an der nächsten Ecke gäbe es welche... Da habe ich sie dann auch bekommen.
Das verstehe ich nicht! Wieso weiß denn keiner was der andere macht? Wieso kann denn nicht einer alles machen? Wieso muß man denn von einem zum nächsten rennen und dann wieder zurück? Ist doch alles unlogisch...
Aber logisch ist das hier so wieso alles nicht.
Die Menschen sind hier so sehr auf Äußeres und aufs Schlanksein bedacht - aber alles hat eine Extraportion Zucker! Naturjoghurt mir Zucker, Müsli mit extra Zucker, Croissants mit viel Butter und Zuckerglasur.
Auf öffentlichen Toiletten, die man möglichst nicht benutzt, hängen Zettel mit der Information, dass die Argentinier im Durchschnitt 5 mal mehr Wasser verbrauchen als sonstwer. Und wenn man morgens durch die Straßen geht, sieht man, wie die Leute hier ihre Bürgersteige fegen und wischen. Jeden Morgen!
Jeder beschwert sich, dass die Straßen dreckig sind und dass keiner die vorhandenen Mülleimer benutzt. Und an jeder Ecke sieht man, wie der Müll auf die Straße geschmissen wird.
Manche Dinge muß man einfach so hinnehmen wie sie sind. Hinterfragen bringt nichts, und der Versuch, manche Dinge verstehen zu wollen noch weniger - denn es passt einfach nicht!
die katja

1 Comments:

At 1:15 PM, Blogger Katja & Inga said...

Oh man, das klingt ja super. dagegen sind die Islænder ja echt noc harmlos, auch wenn es hier öfters mal mediterrane Anfluege gibt... Schlimm ist nur, dass der Wikinger immermal wieder durchkommt... besonders wenn sie betrunken sind, also jedes Wochenende.

 

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