ohwieschoen

Donnerstag, September 14, 2006

Dieses Land hat mindestens zwei Seiten.
Bisher kannte ich nur die eine - das Stadtleben in Buenos Aires. Hier ist es immer lebendig aber auch schmutzig und außer künstlich angelegten Gärten oder Parks gint es hier wenig Grün. Aber am vergangenen Wochenende hatte ich die Gelegenheit, auch die andere Seite zu betreten und zu sehen, dass die Stadt, in der ich hier lebe, eine große Ausnahme ist. Ich bin von der Gastfamilie des "anderen Deutschen" eingeladen worden, mit ihnen in die Provinz Buenos Aires zu fahren. Dort wohnt die Mutter, die sich immer über Besuch freut - je mehr, desto besser! Und es wird gegrillt - Asado wie es hier heißt.
Ein großer Spaß was schon mal die Zugfahrt dorthin. Zumal wir natürlich nicht pünktlich laut Fahrplan loskamen (Deutsche Bahn lässt grüßen!) sonder verspätet, weil ein anderer Zug das Gleis blockierte. Es ging dann aber relativ flott weiter. Kaum losgefahren, dachte ich, ich säße statt im Zug in einer Achterbahn! Denn der Zug fuhr nicht nur geradeaus, sondern auch auf und ab, so dass man wirklich in seinem Sitz auf und ab hüpfte! Ich habe mich kaputt gelacht! Ein Wunder, dass dieser Zug nicht aus den Gleisen gesprungen ist...

"Auf dem Lande" angekommen, ein kleines Dörfchen in der Provinz Buenos Aires mit dem Namen Claypole, sieht es dann auch ganz anders aus. Eine Hauptstraße mit der Bahnhofsstation und ein paar Geschäften. Die kleinen Nebenstraßen gesäumt von Grün und einem mehr oder weniger befestigten Fußweg. Einmal um die Ecke und wir sind da. Ein großes Grundstück mit vielen Bäumen und nem kleinen Hexenhäuschen. Hier will ich bleiben! Von Mutti und Oma werden wir herzlich begrüßt - es fällt nicht schwer, sich hier wie zu hause zu fühlen! Begeistert bin ich neben der Windmühle, die immer noch genutzt wird, um Wasser an die Oberfläche zu befördern, von den Zitronen-, Mandarinen- und Kumquats-tragenden Bäumen. Die gibts bei uns zugegebenermaßen eher selten.

Kurz nach unserer Ankunft wird auch gleich der Grill angeschmissen, oder auch 'asado' wie es hier heißt. Natürlich esse ich viel zu viel, so dass ich mich nach dem Essen erstmal in die Sonne legen muß und ein bißchen schlafe. Und dann gibts Eis. Ich versuche, es abzulehen - mit wenig Erfolg...

Ein Kaffee wäre nun toll! Leider muß ich als "Ich-liebe-Kaaaafeeeee"-Trinkerin sagen, dass der Kaffee hier abscheulich ist! Er schmeckt ...verbrannt? ...schlapp? ...schrecklich! Aber vollkommen auf Mate umzusteigen und auf Kaffee verzichten - das geht doch nicht!

Will nun auch gar nicht über meine alltäglichen Probleme des Seins rumheulen, sondern einen kleinen Blick in das etwas andere Bild von Buenos Aires geben.

Hier auf dem "Land" ists echt schön, aber dann auch wieder eineinhalb Stunden von der Stadt entfernt. Andererseits, in dieser Riesenstadt wollte ich niemals dauerhaft leben!

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