ohwieschoen

Freitag, September 29, 2006

Dann will ich mich auch mal wieder zu Wort melden.

Bei mir hält der Herbst mit riesen Schritten einzug und er zeigt sich von seiner schönsten Seite – trotzdem wünscht sich niemand „Schönen Herbst“… Am letzten Freitag war es sogar so warm, dass ich meine Jeans hochgekrempelt habe und durch die Stadt gestreift bin auf der Suche nach schönen Photo-Motiven. Haben sich auch so einige ergeben und so will ich euch hier auf jeden Fall mit DEM Motiv schlechthin erfreuen. Es findet sich in so ziemlich jeder Broschüre oder jedem Reiseführer über Reykjavík: die Leifur Eiriksson-Statue vor der Hallgrimskirkja. Von mir selbst fotographiert und deshalb natürlich nicht in einem schnöden Kommerzmachwerk zu finden, sondern exclusiv nur hier im Blog! Kleiner geschichtlicher Exkurs: Leifur Eiriksson war erstens der Sohn von Eirik dem Roten und zweitens der Entdecker der Neuen Welt (also in Form von Vinland, was wohl irgendwie die nähere Umgebung des heutigen Boston gewesen sein soll und außerdem hat er gleich auch noch Labrador und Neufundland mitentdeckt) und die Statue steht jetzt halt seit dem 1000jährigen Bestehen der Republik Island 1930 vor der Kirche. Und weil die Isländer so mächtig Stolz auf diesen ihren berühmten Sohn sind haben sie auch gleich noch den Internationalen Flughafen in Keflavík nach ihm benannt.

Die Hallgrímskirkja ist das höchste Bauwerk Islands und kann in Reykjavík von fast jedem Punkt aus gesehen werden. Benannt wurde sie nach dem Geistlichen Hallgrímur Pétursson, der scheinbar sehr bekannt für seine Passionslieder ist. Die Bauzeit betrug 43 Jahre, weil es zwischendurch mal kleine finanzielle Engpässe gab, aber seit 1986 ist sie fertig und es haben 1200 Menschen in ihr Platz. Leider war ich noch nicht oben im Glockenturm, aber das wird auf jeden Fall nachgeholt. Und dann gibt’s ein neues Photo ;-)

So, nun aber genug mit der Klugscheißerei. Eigentlich wollte ich nur mal zum Ausdruck bringen wie sehr mir diese Stadt (und natürlich auch der Rest des Landes) gefällt. Zwar muss ich mich mit der isländischen Mentalität manchmal echt noch etwas anfreunden, aber im Großen und Ganzen sind das hier schon echt herzliche Menschen – nur nicht Freitags- und Sonnabendsabends (blödes Wort!). Da wird dann nämlich gebechert bis die Leber schreit und der Verlust der Muttersprache eintritt. Und dann kommt der Leifur, also der Wikinger, durch – bei Männlein und Weiblein (und das ist doch eigentlich ziemlich erschreckend…). Habe da auch schon so meine Erfahrungen machen dürfen (und das, obwohl ich doch von meinem Chefarzt mit den unheilsschwangeren Worten „Beware of the Icelandic boys“ gewarnt wurde!). So wiederfuhr mir z.B. am letzten Freitagabend im Hresso einer der subtilsten Anmachen ever: ich hatte meine Winterjacke noch gar nicht abgelegt, da fiel ein betrunkener isländischer Juengling gegen mich und ich habe erstmal 2 Sekunden gebraucht, um zu checken, dass das nicht aus versehen war, sondern dass der sich ganz bewusst an meiner Brust festhält!!! Ich wusste echt nicht was ich sagen oder machen sollte (und das passiert mir ja bekanntermaßen eher selten) und hab dann nur noch nach Maik gegrabbelt, der zum Glück in Reichweite war und den Typen dann von mir abgemacht hat. Darauf erstmal an die Bar! Standen wir da also so rum und bei näherem Hingucken kam ich mir mit meiner Jeans und Top irgendwie eher wie für eine Arktis-Expedition gekleidet vor, anstatt Sonnabendsausgeh-Klamotte. Die isländischen Mädels dressen sich nämlich immer richtig auf, wenn sie auf’n Swutsch gehen. Sehr beliebt ist alles, was irgendwie scheiße aussieht: Leo-Minikleid mit Pink-farbenem BH darunter; dicke Bäuche in 3 Nummern zu kleine Miniröcke gequetscht; 80ies Farben und Schnitte und die (Glanz-)Leggings unter entweder Kleidern, Röcken oder einfach nur langen T-Shirts. Ich warte noch auf den Tag, an dem ich jemanden mit diesen langen Fransen-Strand-T-Shirts (wer erinnert sich noch daran?) mit Mallorca- oder Ibiza-Aufdruck rumrennen sehe. Diese Sachen gibt es hier auch in den Second Hand-Läden zu kaufen und die gehen weg wie geschnitten Brot – also: nix wegschmeißen, sondern nach Island schicken, die freuen sich! Männer tragen übrigens Röhrenjeans…

Wie gesagt: am Wochenende ist der gemeine Isländer eher nicht so knorke (jedenfalls für mein zartes Gemüt), aber unter der Woche habe ich bis jetzt nur Positives feststellen können. Hilfsbereit und sehr mitteilsam. Und wenn ich dann dochmal versuche ein wenig auf isländisch zu stümpern, dann wird man sehr höflich verbessert und alles kein Problem. Inzwischen verstehe ich sogar manchmal schon das Richtige, wenn ich auf isländisch angesprochen werde. Hört sich nämlich teilweise so an wie ein genuscheltes Mischmasch aus englisch und deutsch.

In diesem Sinne: Have einen nice daginn und bis zum naestu mal.

Inga

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Freitag, September 22, 2006

Frühlingsanfang!!!
Und das wird hier ganz groß gefeiert! Komisch eigentlich, wo wir doch auch unseren Sommeranfang nicht unbedingt mit Werbeplakaten, Sonderangeboten im Restaurant oder Blumen für die Dame begrüßen. Aber hier war das schon seit letzter Woche Gesprächsthema Nummer 1, und anstatt sich gegenseitig ein schönen Feierabend oder Wochenende zu wünschen, heißt es dann "Feliz Primavera!". Aber an sich ists auch ein schöner Brauch, denn am heutigen Tag findet man sich mit seinen Liebsten in den Wäldern der Stadt ein und verbringt einfach einen netten Tag. Und es wurden doch tatsächlich Bilder von jungen Leuten gezeigt, die schon seit heut morgen um 7 dort waren! Brrr, stelle ich mir doch recht frisch vor. Denn trotz der sonnigen 25°C die wir hier teils schon haben, ists, sobald die Sonne verschwunden ist, echt arschkalt. Also gegen 19 Uhr muß man sich dann eben doch noch ne dicke Jacke überschmeißen.
Schade eigentlich, dass es bei uns teilweise zum Frühlingsanfang noch schneit...

un beso, Katja Posted by Picasa

Samstag, September 16, 2006

Jordí­, Egill und ich

Diese Stadt ist der Wahnsinn! Ich war am Montag nach der Arbeit schwimmen und habe mich danach im HotPot entspannen wollen. Das ist mitunter aber gar nicht so einfach, da der HotPot hier sowas wie Frühschoppen ist ;man unterhält sich über alles was aktuell ist und zwar mit jedem den man kriegen kann. Grundsätzlich werde ich auf isländisch angesprochen, was aber daran liegen kann, dass ich wohl irgendwie was isländisches in den Augen habe (sagt jedenfalls Maik;-). Ich antworte dann immer höflich: Ég ekki tala í­slenskur (Ich spreche kein isländisch) und mache auf englisch weiter. Geht auch ganz gut. Dienstag also wieder die gleiche Prozedur wobei ich mir schon dachte, dass der Typ irgendwie ein komisches isländisch spricht und auch gar nicht wie einer von denen aussieht. Wie sich dann herausstellte heißt er Jordí und kommt aus der Nähe von Barcelona. Da hatten wir also gleich mal ein Gesprächsthema. Auf einmal springt er auf und meint, er müsse jetzt dringens los, Spanischunterricht geben. Wo, frage ich. In der Uni? Nein, bei einem Isländer, der demnächst verreisen will, er sei Sänger und ob ich nicht mitkommen wolle. Ich könnte ja mitlernen. Kurz überlegt, aber warum eigentlich nicht. Wir also zu dem "Schueler" gefahren, wo der Jordí zufällig auch gleich noch zur Untermiete wohnt. Da erzæhlt mir Jordí dann kurz bevor der Egill auftaucht, dass eben dieser Egill Ólafsson einer der bekanntesten Künstler in Island ist. Und dann steht der auch schon vor mir, begrüßt mich höflich und sagt auf deutsch, dass er sich freut meine Bekanntschaft zu machen! Da war ich aber erstmal platt. Wir sind allerdings nicht bei Egill geblieben, sondern in ein Restaurant um die Ecke gegangen und haben geluncht und dabei versucht Konversation zu betreiben - auf spanisch, englisch, isländisch und deutsch, total witzig! Jordí hat Egill dann mal gefragt welchen Stellenwert er in der isländischen Promi-Riege einnimmt, worauf ich gebeten wurde einen sehr bekannten deutschen Künstler zu nennen. Mir fielen nur Herbert Grönemeier und MMW ein. Den würde er auch kennen, meinte Egill. So so, dachte ich. Aber das würde so vom Vergleich ganz gut hinkommen. Er (also Egill) sei ja auch Sänger und Schauspieler und was weiß ich nicht noch alles.
Am coolsten war allerdings der Grund aus dem er jetzt noch schnell sein spanisch aufpolieren muss: er fährt als Guide einer 18-köpfigen Reisegruppe für 4 Wochen nach Peru; der Knaller ist aber, dass die Teilnehmer dieser Gruppe alles Damen über 70 sind! Und jetzt dazu dieser große Mitfünfziger mit Glatze und rahmengenähten englischen Schuhen! Ich stell mir das gerade vor und es ist irgendwie zum schießen. Ihr könnt ja mal auf www.studmenn.com gehen und dort auf EGILL klicken.

Wie dem auch sei, wir haben in dem Lokal dann passenderweise auch noch mexikanisch gespeist und ich wurde eingeladen, doch am Mittwoch wieder mit dabei zu sein. Hab ich dann auch angenommen und war gestern bei Egill zu Hause. Ist schon cool, wenn man durch ein Haus geht in dem goldene und Platinschallplatten an den Wänden hängen.

So, dass soll es zu meinem Ausflug in der Welt der isländischen Prominenz gewesen sein.

Hasta luego y muchos saludos de Islandia

Inga

Donnerstag, September 14, 2006

Dieses Land hat mindestens zwei Seiten.
Bisher kannte ich nur die eine - das Stadtleben in Buenos Aires. Hier ist es immer lebendig aber auch schmutzig und außer künstlich angelegten Gärten oder Parks gint es hier wenig Grün. Aber am vergangenen Wochenende hatte ich die Gelegenheit, auch die andere Seite zu betreten und zu sehen, dass die Stadt, in der ich hier lebe, eine große Ausnahme ist. Ich bin von der Gastfamilie des "anderen Deutschen" eingeladen worden, mit ihnen in die Provinz Buenos Aires zu fahren. Dort wohnt die Mutter, die sich immer über Besuch freut - je mehr, desto besser! Und es wird gegrillt - Asado wie es hier heißt.
Ein großer Spaß was schon mal die Zugfahrt dorthin. Zumal wir natürlich nicht pünktlich laut Fahrplan loskamen (Deutsche Bahn lässt grüßen!) sonder verspätet, weil ein anderer Zug das Gleis blockierte. Es ging dann aber relativ flott weiter. Kaum losgefahren, dachte ich, ich säße statt im Zug in einer Achterbahn! Denn der Zug fuhr nicht nur geradeaus, sondern auch auf und ab, so dass man wirklich in seinem Sitz auf und ab hüpfte! Ich habe mich kaputt gelacht! Ein Wunder, dass dieser Zug nicht aus den Gleisen gesprungen ist...

"Auf dem Lande" angekommen, ein kleines Dörfchen in der Provinz Buenos Aires mit dem Namen Claypole, sieht es dann auch ganz anders aus. Eine Hauptstraße mit der Bahnhofsstation und ein paar Geschäften. Die kleinen Nebenstraßen gesäumt von Grün und einem mehr oder weniger befestigten Fußweg. Einmal um die Ecke und wir sind da. Ein großes Grundstück mit vielen Bäumen und nem kleinen Hexenhäuschen. Hier will ich bleiben! Von Mutti und Oma werden wir herzlich begrüßt - es fällt nicht schwer, sich hier wie zu hause zu fühlen! Begeistert bin ich neben der Windmühle, die immer noch genutzt wird, um Wasser an die Oberfläche zu befördern, von den Zitronen-, Mandarinen- und Kumquats-tragenden Bäumen. Die gibts bei uns zugegebenermaßen eher selten.

Kurz nach unserer Ankunft wird auch gleich der Grill angeschmissen, oder auch 'asado' wie es hier heißt. Natürlich esse ich viel zu viel, so dass ich mich nach dem Essen erstmal in die Sonne legen muß und ein bißchen schlafe. Und dann gibts Eis. Ich versuche, es abzulehen - mit wenig Erfolg...

Ein Kaffee wäre nun toll! Leider muß ich als "Ich-liebe-Kaaaafeeeee"-Trinkerin sagen, dass der Kaffee hier abscheulich ist! Er schmeckt ...verbrannt? ...schlapp? ...schrecklich! Aber vollkommen auf Mate umzusteigen und auf Kaffee verzichten - das geht doch nicht!

Will nun auch gar nicht über meine alltäglichen Probleme des Seins rumheulen, sondern einen kleinen Blick in das etwas andere Bild von Buenos Aires geben.

Hier auf dem "Land" ists echt schön, aber dann auch wieder eineinhalb Stunden von der Stadt entfernt. Andererseits, in dieser Riesenstadt wollte ich niemals dauerhaft leben!

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Mittwoch, September 13, 2006


Ok, bis zum letzten Wochenende wusste ich nicht so recht, ob ich dieses Land mag und wieder kommen werde. Jetzt gibt es keinen Zweifel mehr: auf jeden Fall komme ich wieder! Am Sonnabend war ich mit zwei ziemlich island-adaptiereten Deutschen, Maik und Helge, auf einem Tagesausflug. Dieser begann um 08:00 Uhr morgens im Reykjaviker Schmuddelwetter und ich dachte mir schon, dass ich unter diesen Umständen auch länger als 4 Stunden hätte schlafen und den Tag in die Matratze hätte drücken können. Aber das hier ist ja Island, weshalb dann auf dem Weg zur Südküste und daran entlang das Wetter immer besser wurde. Es war zwar immer tierisch windig, aber das macht mir als echtem Nordlicht ja mal gar nix. Die Sonne hat nett gewärmt und ich hab im Schnelldurchlauf ein paar Sehenswürdigkeiten der Südküste abgehakt: Skógafoss, ein Wasserfall, wo ich mir dann zusätzlich noch 'nen Ami mit ohne Hose angucken konnte...Dyrhólaey, das ist ein steinerner Bogen im Meer, wobei ich die Wahnsinnsbrandung auf den schwarzen Lavastrand noch viel beeindruckender fand. Dann weiter an Vik vorbei durch das Katla-Lavafeld und irgendwann links rein in die Wildnis Richtung Laki-Kraterreihe.
Wir sind also mit einem Mitsubishi Pajero durch die Landschaft gewackelt und jetzt weiß ich auch endlich wozu hier in Island jeder zweite so eine Offroad-Karre fährt. Flüsse furten und über fiese Geröllpisten rocken geht nunmal mit 'nem normalen Auto (z.B. Yaris ;-) nicht. Obwohl wir ja quasi mitten in der Nacht losgefahren waren, zog sich das alles doch recht lange hin, weil wir immer wieder anhalten mussten, um Photos zumachen. Am eigentlichen Ziel angekommen sind Helge und ich dann noch auf so 'nen Hügel rauf gehetzt - also eigentlich ist Helge gehetzt und ich bin hinterher gekeucht, während Maik es vorzog zu schlafen....

Dann also Rückweg und auch da wieder ständig anhalten, Photos im Abendlicht machen, wahnsinn, ein bißchen was geht immer... Auf einmal war es irgendwie ruckzuck dunkel und ich war so müde, dass ich zeitweise keine eigene Meinung mehr hatte. War wohl auch gut so, denn sonst hätte ich womöglich noch gesagt, dass wir doch bitte weiterfahren und nicht nochmal schnell am angestrahlten Seljalandsfoss halten. Da hätte ich aber echt mal was verpasst. Dieser Wasserfall ist zwar nicht besonders groß, aber man kann dahinter lang gehen und dann durch den Schleier die Landschaft - oder in unserem Fall die Scheinwerfer- anschauen. Haben wir auch gemacht. Es war stockdunkel und wir auf den nassen Felsen, tztztz...Aber so toll. Und dann kam auch noch der Mond aus den Wolken direkt über dem Wasserfall raus: KITSCH PUR, das absolute Postkartenmotiv oder wie diese fiesen Poster, die es früher immer gab, wo Tiger oder Pferde oder so aus den Schaumkronen der Welle emporsteigen. Aber das hier war ja echt!

Echt war auch, dass ich um 01:00 Uhr im Bett lag, um am nächsten Morgen um 07:00 Uhr wieder aufzustehen und mit meiner WG und Annika nach Thorsmörk zu fahren. Wieder das gleiche Ding mit dem Wetter: Regen. Zu fünft in einem Matiz - klingt witzig, ist es aber gar nicht so. Wir sind dann bis zum Parkplatz des Seljalandsfoss - ja, der kitschige von eben - gefahren und haben die Gelegeheit genutzt. Ich bin dann auch mal im Hellen da gewesen und auch dahinter. Leider hat es immernoch geregnet und alles war grau und irgendwie voll doof. Wir dachten schon, dass wir im Regen in Thorsmörk, was im übrigen soviel heißt wie "Thor´s Wald" rumstiefeln müssen. Aber denkste: irgendwann kam dann der Bus, der nach Thorsmörk fährt. Ach so, dahin kommt man nur, wenn man ein paar Flüsse furtet und das geht mit dem Matiz nun mal gar nicht und deshalb fährt da ein Monster von Offroad-Bus hin. War total toll, vorbei an Gletschern und Vulkanen und durch Flüsse, die immerhin so tief waren, dass ein LKW, der uns durch einen Fluss gelotst hat, bis zum hinteren Nummernschild im Wasser versunken ist... Am Ziel angekommen sind wir dann auf den Valahnúkur, von dem aus man das Gebiet sehr gut überblicken kann. Schweinekalt da oben, weil windig ohne Ende, aber der Blick war, trotz Wolken über den Gletschern, umwerfend.
Nach dem Abstieg sind wir dann noch in den Hotpot an der "Talstation". Der war zwar eher warm als hot, aber trotzdem sehr entspannend. Sieht auch echt witzig aus, wie wir im Bikini in dem Becken liegen und hinter uns Wanderer in voller Montur und teilweise mit Mütze und Schal lang gehen. Weniger witzig war dann, aus dem Wasser wieder rauszukommen, denn der Wind war doch recht frisch. Absolut witzig war allerdings die Szene, als ich mir die Schuhe wieder anziehen und mir vorher noch schnell die Füße abwaschen wollte. Rechts hatte ich schon angezogen und nehm also den linken Schuh in die Hand um den Socken rauszunehmen und hab wohl etwas zu viel Schwung drauf gehabt und schleuder den Schuh mal ganz locker in den Hotpot! Zum Glück hat Katha schnell reagiert und ihn rausgefischt, so dass nur relativ wenig Wasser reinlaufen konnte. War auf jedenfall mal der Brüller des Tages. Ich weiß jetzt, dass meine Schuhe gut sind, weil ich nämlich trotz nasser Socke keine kalten Füße bekommen habe, ha! Auf dem Rückweg mit dem Offroad-Monster kam es mit dann so vor, als ob die Flüsse alle nochmal mehr Wasser führen würden. Der Busfahrer hatte somit an einer Stelle auch echt Probleme und der Bus ziemlich Schlagseite, aber hat zum Glück alles geklappt.

Back home haben wir uns eigentlich schon auf ein "lecker" Essen gefreut. Ich hatte nämlich im Supermarkt das falsche Fleisch gegriffen: geräuchertes Fohlen statt Lamm. Katha hat sich als Reiterin sowieso von vornherein gegen Fohlenbraten ausgesprochen als dieser Faux pas publik wurde. Mathias, Ilka und ich hingegen waren ganz mutig und haben das dann zubereitet, bzw. Ilka hat´s gemacht. Schon beim Grillen im Ofen roch es doch sehr streng und etwas wie nasser Aschenbecher. Leider hat es dann auch noch so geschmeckt, so dass unser Festmahl sich auf Kartoffeln mit Gemüse beschränkte. Aber wieder eine Erfahrung mehr.

Im übrigen hätte ich hier gerne Fotos eingestellt, aber das wollte der Server oder was auch immer anscheinend nicht. Ihr könnt aber mal auf http://www.flickr.com/photos/62881385@N00 gehen und da en paar nette Fotos anschauen.
So, das war jetzt ja gar nicht so wenig. Bis zum nächsten Mal und liebe Grüße,

Inga

Dienstag, September 12, 2006

Die Welt steht Kopf!
Habe ich
das doch schon am Tag meiner Ankunft festgestellt. Ich habe ja sämtlichen Kram, den ich vermeintlich bräuchte, wie zum Beispiel Bücher und mein Stethoskop, mittels Luftfracht der Lufthansa nach Buenos Aires geschickt. Und das schon ein paar Tage eher, damit ich es gleich mitnehmen kann, wenn ich selber ankomme.
Das Luftfrachtterminal war auch schnell gefunden, allerdings geht die Arbeit hier erst um 9 Uhr morgens los. Gut, 20 Minuten nach 8, habe ja eh nichts vor, also warten wir - meine Taxifahrerin und ich. 9 Uhr, wir kriegen einen Besucherzettel in die Hand gedrückt und marschieren aufs Gelände. Zum Frachtterminal, Halle D. Hier steht in der Halle eine Art Baucontainer mit drei getrennten Büros. Alles gehören irgendwie zum Zoll, aber worin nun der Unterschied zu den einzelnen liegt, kann ich nicht sagen. Beginn der Arbeitszeit ist 10 Uhr, also wieder eine Stunde warten. Ständig laufen irgendwelche Leute vorbei, manche fragen was wir denn wollten. Irgendeiner schickt uns dann zum Lufthansa-Büro, wo ich meinen Lieferschein abstempeln lassen muß. Hier ist zum Glück auch schon offen. Und das Paket ist gestern schon angekommen. Ein kleiner Schritt ist also schon mal getan. Wieder zurück zum Zollcontainer. Mittlerweile ist hier nun auch schon geöffnet. Wir gehen in Büro Nummer 2 und ich zeige meinen Lieferschein und Reisepass vor und kriege einen Stempel auf einen Zettel. Mit diesem Zettel gehen wir in Büro Nummer 1 und ich zeige ihn dort vor. Neue Zettel, neue Stempel. Das Paket wird schon mal in Auftrag gegeben und ich muß eine Liegegebühr von 30 US-Dollar zahlen. Habe natürlich kein Geld dabei. Also zurück zum Auto, Geld in die Tasche gesteckt und wieder zurück. Natürlich sind wir nicht die einzigen, die irgendetwas wollen, also erstmal anstehen. Ich bezahle brav mein Geld, bekomme einen weitern Stempel auf meine Zettel und gehe in Büro Nummer 1. Ich zeige hier meine Zettel vor und die Kopie von meinem Reisepass. Natürlich hatte ich, als ich das Paket aufgegeben habe, noch keinen Stempel vom Argentinischen Zoll drin. Also muß eine neue Kopie her. In der Lagerhalle liegt nun mein Paket. Ich erkläre noch einmal, dass hier nur Bücher drin wären. Schwer genug dafür ist es ja. Es wird aufgemacht - oh Wunder, Bücher! Es geht wieder in Büro 3, von hier aus ins 2. oder 1., überall gibts Stempeleien und dann endlich wird mir gesagt, dass ich mein Paket mitnehmen kann. Es wird dann vorne an die Rampe gestellt (anstatt dass ich einfach in die Halle gehe und es mir nehme...). Mittlerweile ist's ja erst halb 12...
Meine nächste Erfahrung mit "Servicewüste Argentinien" hatte ich dann drei Tage später, als ich die Miete für meine Wohnung abdrücken musste. Natürlich schleppe ich keine 1000 Dollar mit mir herum und deshalb gehts am Montag morgen erstmal zur Bank, Traveller Cheques tauschen. Kann man schließlich in der ganzen Welt ohne Probleme machen. Nur HIER scheinbar nicht! In der fünften Bank gab es dann überhaupt erstmal die Möglichkeit, diese Dinger einzutauschen. Man stellt sich eine große, nein eine riesige Eingangshalle vor, mit ganz vielen Schaltern. Ich gehe zu einem dieser Schalter und frage nun zum 5000. Mal nach Tausch von Traveller Cheques. "Ja, im ersten Untergeschoss" ist die Antwort. Ich gehe also ins Untergeschoss und stelle mich in die Schlange. Schließlich werden hier, laut Schild, Schecks getauscht. Als ich dran bin - es ist mittlerweile halb 11. Ich bin seit knapp 1 1/2 Stunden unterwegs und um 11 hab ich den Termin mit meinem Vermieter! Der Mensch hinter der Glasscheibe sagt mir, ich solle in den nächsten Saal gehen, dort sei der Tausch. Tatsächlich steht über den Kabinen dort auch "Cambio". Als ich dran bin sagt mir der Mann, der Tausch von Traveller Cheques sei im Erdgeschoss und dort solle ich nach Frau P. fragen. Mittlerweile etwas angenervt stiefele ich also wieder ins Erdgeschoss. An einem Tresen trage ich mein Anliegen vor und der Mann will mich doch glatt wieder ins Untergeschoss schicken. Nett aber bestimmt sage ich ihm, dass ich dort ja gerade herkäme, weil mich die andere Frau von da hinten schon vor einer halbe Stunde hingeschickt hätte. Und unten wird mir gesagt, dass ich wieder hoch muß. Ich würde nun also nicht wieder nach unten gehen, weil ich mittlerweile die Schnauze gestrichen voll hätte. Eigentlich hätte ich heulen können... Etwas angenervt fragt er dann wirklich einen Kollegen nach dieser Frau und deutet dann auf den Tresen gegenüber. Na endlich! Natürlich dauert mir alles immer noch zu lange, aber ich habe mich ja hier schon ohne einen Cent Bargeld in der Tasche stehen sehen... Zu meinem Treffen kam ich eine Stunde zu spät...
Um auch hier überall und alle Zeit erreichbar zu sein, wollte ich mir hier "mal eben" eine PrePaid-Karte besorgen. Gibts hier ja schließlich auch. Ich gehe zu der Haupfiliale des Anbieters mit Namen "Movistar". Wieder eine große Halle mit Empfangstresen. Hier trägt man sein Anliegen vor und wird dann von hier aus weiter geschickt. Eigentlich ja ganz clever. Ich werde also zu dem letzten Fenster auf der linken Seite geschickt. Ich sage, ich hätte gern eine Karte und er fragt mich, ob mein Handy denn kompatibel sei, also ein Triband-Handy. Ich sage ja, weil schon ausprobiert. Natürlich glaubt er mir nicht und schiebt irgendeine seiner Simkarten in mein Telefon (Ingas Telefon). Und, siehe da: es funktioniert! Er schickt mich wieder vorne an den Empfangstresen, wo ich sagen solle, dass mein Handy passt. Ich gehe wieder nach vorn, sage, dass alles toll ist. Und bekomme eine Nummer. Sobald die Nummer aufgerufen wird, soll ich an den angezeigten Tresen gehen. Ich bin dran - Tresen Nummer 4. Ich sage ich wolle eine PrePaid-Karte haben. Die Frau hantiert mit irgendwelchen Zetteln in der Gegend rum, und schickt mich mit diesen Zetteln zur Kasse. Dort muß ich eine Gebühr von 12 Peso zahlen, und anstehen. Nach 15 Minuten warten geht es wieder zurück. Ich unterschreibe irgendwas und bekomme mein Telefon samt Sim und Zetteln in die Hand gedrückt. Aufladkarten könnte ich an der Kasse bekommen. Haha, habe ich dort nicht schon einmal angestanden? Also wieder anstehen. Als ich dran bin sind Aufladkarten grade aus, aber im Untergeschoss könnte ich welche bekommen. Oder im Kiosk an der Ecke. Ich gehe ins Untergeschoss, an den Tresen wo niemand ansteht. Und die Frau sagt, Aufladkarten seien grad nicht erhältlich. Aber im Kiosk an der nächsten Ecke gäbe es welche... Da habe ich sie dann auch bekommen.
Das verstehe ich nicht! Wieso weiß denn keiner was der andere macht? Wieso kann denn nicht einer alles machen? Wieso muß man denn von einem zum nächsten rennen und dann wieder zurück? Ist doch alles unlogisch...
Aber logisch ist das hier so wieso alles nicht.
Die Menschen sind hier so sehr auf Äußeres und aufs Schlanksein bedacht - aber alles hat eine Extraportion Zucker! Naturjoghurt mir Zucker, Müsli mit extra Zucker, Croissants mit viel Butter und Zuckerglasur.
Auf öffentlichen Toiletten, die man möglichst nicht benutzt, hängen Zettel mit der Information, dass die Argentinier im Durchschnitt 5 mal mehr Wasser verbrauchen als sonstwer. Und wenn man morgens durch die Straßen geht, sieht man, wie die Leute hier ihre Bürgersteige fegen und wischen. Jeden Morgen!
Jeder beschwert sich, dass die Straßen dreckig sind und dass keiner die vorhandenen Mülleimer benutzt. Und an jeder Ecke sieht man, wie der Müll auf die Straße geschmissen wird.
Manche Dinge muß man einfach so hinnehmen wie sie sind. Hinterfragen bringt nichts, und der Versuch, manche Dinge verstehen zu wollen noch weniger - denn es passt einfach nicht!
die katja

Donnerstag, September 07, 2006


Áfram Ísland!

Ich war beim EM-Qualifikationsspiel Island-Dænemark! Gut, das Spiel war eigentlich eher schlecht und es war saukalt, aber Spass hat es trotzdem gemacht. Vor uns haben so Hardcore-Fans gesessen und am Ende den Schiri beschipft. Wir haben dann einfach mal auf deutsch mitgemacht und haben uns köstlich amuesiert. wie dem geneigten Medimeisterschaften-Fahrer vielleicht auffællt halte ich den Fanschal in der Hand. Luebeck rulz!
Im uebrigen waren ca. 10.000 Zuschauer im Stadion welches damit nicht ganz ausverkauft war...
Also in diesem Sinne, es lebe der Sport und bis zum næchsten mal!

Inga

Freitag, September 01, 2006


Hallo Hallo!

So langsam wird’s! Ich komm hier immer besser in meine Rolle als Læknanemi („Arztschüler“) rein. Man geht hier einfach in den OP-Saal in den man möchte und stellt sich hinter die Blut-Hirn-Schranke und guckt interessiert. Als Ausländer immer schön drauf achten, dass die ID-Karte auch gut zu sehen ist. Die IDs für Ausländer haben eine giftgrünen Rand, die der Isländer hat nen blauen. Es besteht also keine Verwechslungsgefahr und ich wurde bisher auch immer gleich auf deutsch angequatscht oder mit einem zackigen „Guttan Morrgen! Wie gätts?“ begrüßt. Dann werde ich meistens auf meinen isländischen Vornamen angesprochen und gefragt, ob ich denn mit irgendwem auf der Insel verwandt sei oder isländisch sprechen würde. Wenn nicht schon ein anderer Student dabei ist und die OP noch nicht zu weit fortgeschritten ist, dann wird man gefragt in welchem Department man ist und in welchem Jahr. Meist folgt dann die Frage: „Don´t you want to scrub in? und dann macht man das halt. Ziemlich easy. In der OP reden sie schon viel isländisch, aber die Fachbegriffe und inzwischen auch das ein oder andere Wort verstehe ich schon und dann erklären sie auch bereitwillig und auf Nachfrage immer auf Englisch.
Außerdem hab ich verdammtes Glück gehabt, dass hier einer der Isländer, Hannes, perfekt deutsch mit Hamburger Slang spricht, weil er dort als Jugendlicher gelebt hat. Mit Hannes und dem Chef, Jonas, habe ich heute am Tisch gestanden und die wahrscheinlich lustigste OP meines Lebens erlebt. Vorweg noch kurz zur Erklärung: hier duzt sich jeder und jeder wird mit dem Vornamen angesprochen. Letzte Woche hat Hannes einen kurzen Nahtkurs für Studenten angeboten und als wir ihn fragten wo wir hinkommen sollten, sagte er, dass der in Jonas’ Büro stattfindet! Man stelle sich mal vor 10 Studenten marschieren mit ´nem Assistenten bei Bruch ins Büro und üben nähen an Schwämmen! Jonas´ einzige Reaktion war, Schuhe aus, Füße hoch und die Frage: „Will Sponge-Bob survive?“ Nun ja, mit diesen beiden hab ich also heute am Tisch gestanden und auf dem Plan stand ein Gastro-Jejunustomie bei Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs, der dazu geführt hat, dass die Patientin ihre Nahrung aus dem Magen nicht mehr in den Darm los wurde und deshalb der Magen direkt an ein Stück Darm, das unterhalb der Verlegung liegt, angeschlossen wurde). Ich also voll gespannt, ob ich überhaupt wahrgenommen werde. Aber es ging schon gleich gut los: Jonas meinte nur, da ich ja aus Deutschland käme, würde er mich jetzt nur Heidi nennen. Ich hab ihm dann gesagt, dass Heidi aus der Schweiz käme, aber das war ihm egal – ich war „Fräulein Inga-Heidi“! Ich durfte dann Haken halten, saugen, den Dünndarm durchschneiden und ganz zum Schluss auch noch zu tackern. Hoffentlich sieht mir die Patientin meine stümperhafte Arbeit nach… Das coolste an der OP war aber, das Jonas die ganze Zeit gesungen hat, obwohl es ständig irgendwo raus sprudelnd blutete und dann auch noch die Gallenblase mit raus musste. In seinem Übermut hat er dann Hannes auch noch ne freundschaftliche Kopfnuss gegeben! Die hat Hannes allerdings besser weggesteckt als Jonas, der danach doch etwas weinerlich erschien… Zu guter Letzt hat er mir dann noch gesagt, dass er es ja klasse findet, dass ich ihm mit Heidi gleich wiedersprochen habe, weil er so Speichellecker, die immer „Härr Prrrofessorr“ und sagen und ihm die Tür aufhalten, nicht ab kann. Alles in allem ein gelungener OP-Tag – so kann es weitergehen!
Anbei dann noch das versprochene Photo unserer Badewanne.
Schreibt doch mal wie es euch so ergeht und viele liebe Gruesse!
Inga