Dann will ich mich auch mal wieder zu Wort melden.
Bei mir hält der Herbst mit riesen Schritten einzug und er zeigt sich von seiner schönsten Seite – trotzdem wünscht sich niemand „Schönen Herbst“… Am letzten Freitag war es sogar so warm, dass ich meine Jeans hochgekrempelt habe und durch die Stadt gestreift bin auf der Suche nach schönen Photo-Motiven. Haben sich auch so einige ergeben und so will ich euch hier auf jeden Fall mit DEM Motiv schlechthin erfreuen. Es findet sich in so ziemlich jeder Broschüre oder jedem Reiseführer über Reykjavík: die Leifur Eiriksson-Statue vor der Hallgrimskirkja. Von mir selbst fotographiert und deshalb natürlich nicht in einem schnöden Kommerzmachwerk zu finden, sondern exclusiv nur hier im Blog! Kleiner geschichtlicher Exkurs: Leifur Eiriksson war erstens der Sohn von Eirik dem Roten und zweitens der Entdecker der Neuen Welt (also in Form von Vinland, was wohl irgendwie die nähere Umgebung des heutigen Boston gewesen sein soll und außerdem hat er gleich auch noch Labrador und Neufundland mitentdeckt) und die Statue steht jetzt halt seit dem 1000jährigen Bestehen der Republik Island 1930 vor der Kirche. Und weil die Isländer so mächtig Stolz auf diesen ihren berühmten Sohn sind haben sie auch gleich noch den Internationalen Flughafen in Keflavík nach ihm benannt.
Die Hallgrímskirkja ist das höchste Bauwerk Islands und kann in Reykjavík von fast jedem Punkt aus gesehen werden. Benannt wurde sie nach dem Geistlichen Hallgrímur Pétursson, der scheinbar sehr bekannt für seine Passionslieder ist. Die Bauzeit betrug 43 Jahre, weil es zwischendurch mal kleine finanzielle Engpässe gab, aber seit 1986 ist sie fertig und es haben 1200 Menschen in ihr Platz. Leider war ich noch nicht oben im Glockenturm, aber das wird auf jeden Fall nachgeholt. Und dann gibt’s ein neues Photo ;-)
So, nun aber genug mit der Klugscheißerei. Eigentlich wollte ich nur mal zum Ausdruck bringen wie sehr mir diese Stadt (und natürlich auch der Rest des Landes) gefällt. Zwar muss ich mich mit der isländischen Mentalität manchmal echt noch etwas anfreunden, aber im Großen und Ganzen sind das hier schon echt herzliche Menschen – nur nicht Freitags- und Sonnabendsabends (blödes Wort!). Da wird dann nämlich gebechert bis die Leber schreit und der Verlust der Muttersprache eintritt. Und dann kommt der Leifur, also der Wikinger, durch – bei Männlein und Weiblein (und das ist doch eigentlich ziemlich erschreckend…). Habe da auch schon so meine Erfahrungen machen dürfen (und das, obwohl ich doch von meinem Chefarzt mit den unheilsschwangeren Worten „Beware of the Icelandic boys“ gewarnt wurde!). So wiederfuhr mir z.B. am letzten Freitagabend im Hresso einer der subtilsten Anmachen ever: ich hatte meine Winterjacke noch gar nicht abgelegt, da fiel ein betrunkener isländischer Juengling gegen mich und ich habe erstmal 2 Sekunden gebraucht, um zu checken, dass das nicht aus versehen war, sondern dass der sich ganz bewusst an meiner Brust festhält!!! Ich wusste echt nicht was ich sagen oder machen sollte (und das passiert mir ja bekanntermaßen eher selten) und hab dann nur noch nach Maik gegrabbelt, der zum Glück in Reichweite war und den Typen dann von mir abgemacht hat. Darauf erstmal an die Bar! Standen wir da also so rum und bei näherem Hingucken kam ich mir mit meiner Jeans und Top irgendwie eher wie für eine Arktis-Expedition gekleidet vor, anstatt Sonnabendsausgeh-Klamotte. Die isländischen Mädels dressen sich nämlich immer richtig auf, wenn sie auf’n Swutsch gehen. Sehr beliebt ist alles, was irgendwie scheiße aussieht: Leo-Minikleid mit Pink-farbenem BH darunter; dicke Bäuche in 3 Nummern zu kleine Miniröcke gequetscht; 80ies Farben und Schnitte und die (Glanz-)Leggings unter entweder Kleidern, Röcken oder einfach nur langen T-Shirts. Ich warte noch auf den Tag, an dem ich jemanden mit diesen langen Fransen-Strand-T-Shirts (wer erinnert sich noch daran?) mit Mallorca- oder Ibiza-Aufdruck rumrennen sehe. Diese Sachen gibt es hier auch in den Second Hand-Läden zu kaufen und die gehen weg wie geschnitten Brot – also: nix wegschmeißen, sondern nach Island schicken, die freuen sich! Männer tragen übrigens Röhrenjeans…
Wie gesagt: am Wochenende ist der gemeine Isländer eher nicht so knorke (jedenfalls für mein zartes Gemüt), aber unter der Woche habe ich bis jetzt nur Positives feststellen können. Hilfsbereit und sehr mitteilsam. Und wenn ich dann dochmal versuche ein wenig auf isländisch zu stümpern, dann wird man sehr höflich verbessert und alles kein Problem. Inzwischen verstehe ich sogar manchmal schon das Richtige, wenn ich auf isländisch angesprochen werde. Hört sich nämlich teilweise so an wie ein genuscheltes Mischmasch aus englisch und deutsch.
In diesem Sinne: Have einen nice daginn und bis zum naestu mal.
Inga







