
Na, das scheint ja allerseits ein ereignisreiches Wochenende gewesen zu sein. Bei mir ging es im Prinzip schon das Wochenende davor los, als Helge mich fragte, ob ich nicht in der Zeit, in der er im Urlaub ist, sein Auto (einen Mitsubishi Pajero Intercooler Turbo) haben wollte. Och, nööö, lass mal – HER MIT DEN SCHLÜSSELN!!!!! Nun ist Helge also am Freitag früh nach Italien geflogen und ich hatte das Auto! Ich will nie nie nie wieder ein anderes Auto als einen Jeep fahren! Sound wie ´n Trecker, super Überblick und einfach mal nur Stylo – egal wie die Karre gerade aussieht.
Am Sonnabend dann bin ich mit 2 weiteren PJ-Studentinnen, Annika und Veronique aus Berlin, ein bisschen in die Umgebung von Reykjavík (Reykjanes-Halbinsel) gefahren. Wir wollten zu einem Schwefelquellen-Feld (Krýsuvík) und dazu muss man ein bisschen offroad fahren, wobei dass hier so gar auch auf der Hauptstraße rund um Island (der Ringstraße) immer mal vorkommt und man auf einer Schotterpiste weiterfährt. Wir also der Beschilderung gefolgt und irgendwann hörte die asphaltierte Straße auf und wir sind rechts ins Nirgendwo gebogen. Die Piste bestand aus rotem Lavasand und da es vorher etwas geregnet hatte, gab es auch zahlreiche Pfützen. Macht echt Spaß da durch zu heizen… Irgendwan kamen wir an einen kleinen Flusslauf, den es zu durchqueren galt. Kurz nachgedacht, was ich noch vom Laki-Trip in Erinnerung hatte bzw. was Maik Helge dort erklärt hatte: kleinste Übersetzung, Differential sperren, mit der Strömung fahren, so langsam wie geht, aber nie stehenbleiben. Dann mal los und – geschafft: meine erste Furt! Das Wetter hat auch richtig gut mitgespielt und der Tag war wirklich nett.
Die Krönung und einer der besten Tage meines Lebens kam dann allerdings am Sonntag: ein Hochland-Trip mit Maik und Caitlin. Fast in der Mitte des Landes gibt es eine Wetterstation und heiße Quellen mit einer Hütte, in der man übernachten kann (das hatten wir aber nicht vor). Dieser Platz heißt Hveravellir für alle, die das googlen wollen. Morgens um 8:15 Uhr gings los und der Tag versprach mal wieder sonnig zu werden. Wir sind durch das Gebiet gefahren, dass Reykjavík mit Heißwasser und Wärme versorgt und sind so von der Nicht-Touri-Seite an Þingvallavatn rangefahren, einfach großartig! Weiter gings durch die Geysir-Area und zum Gullfoss (Goldener Wasserfall). Und danach dann endlich Richtung Hochland, am Horizont schon der Langjökull, der zweitgrößte Gletscher Islands, in Sicht. Auch hier hörte die asphaltierte Straße irgendwann auf und es ging auf Schotterpisten weiter; ein Schild hat noch darauf hingewiesen, dass ab hier nur noch 4x4 angebracht sei. Es ist schwer zu beschreiben, aber man fährt da auf einer Piste, die auf ca 1 m aufgeschüttet ist und rechts und links sind Geröllfelder und hin und wieder mal ein Berg oder kleiner Vulkan und in der Ferne immer die Gletscher. Mittagspause haben wir dann an dem See gemacht in den die Zunge des Langjökull reinragt. Schön, bizarr und einsam. Man konnte auch sehr gut erkennen, wie weit der Gletscher schon zurückgegangen ist. Irgendwie ist das erschreckend den Klimawandel anhand solcher Phänomene zu erleben.
Nach der Stärkung ging es dann weiter Richtung Hveravellir, wo wir gegen 15 Uhr eintrafen. Dort gibt es ein Toilettenhaus, zwei Hütten, eine Wetterstation, eine alte grasbewachsene Hütte und heiße Schwefelquellen, die 1. dazu dienen die Hütten zu heizen, 2. einen natürlichen HotPot speisen und 3. einfach mal da sind. Das bizarrste an diesem Ort, an dem es übrigens mit 4° recht kühl war, war ein kleines 2 Mann-Zelt, dass dort in der Gegend rumstand.
Wir haben dann entschieden noch ein bisschen weiter zufahren und etwas ins Gelände zu gehen, weil ich mal ein bisschen Experience haben wollte. Auf dem Weg zu den wirklich rockigen Roads sind wir dann an einem Airfield vorbeigekommen – ein Lande-/Startbahn auf Lavasand irgendwo im Nirgendwo!!! Mussten dann auch erstmal eine kleine Photosession einlegen. Und dann gings los: "Where´s the track?" war wohl die meistgestellte Frage in den nächsten 2 Stunden. Was am Anfang und zwischendurch immermal wieder aussah, wie ein extrem ausgefahrener Feldweg, war von jetzt auf gleich nur noch Steine, die es zu umkurven galt. Dann ein Lavafeld – sieht ja ganz nett aus, wie die Lava da so hingeflossen liegt, aber das Zeug ist verdammt scharfkantig und kann ganz böse Aua zum Reifen machen… Aber: hatte selten an etwas so viel Spaß, wie durch diese Wildnis zu fahren. Es ist tierisch anstrengend und ich war verdammt froh, dass ich Maik hatte, der mir immer gesagt hat, wie ich am besten fahre und warum das Auto so reagiert, wie es regiert und so weiter und so fort. Wenn es mit der Medizin nicht klappt, dann werde ich halt einfach Jutta Kleinschmidt! Irgendwann wurde es dann allerdings zuviel des Guten und es kam Nebel auf, so dass wir nach Hverarvellir zurückgefahren sind, um dort doch noch in den HotPot zu gehen. Als wir dort ankamen war es schon sehr duster und es lag eine ganz komische Stimmung in der Luft. Bei keinem Licht in einem natürlichen HotPot hocken und den Tag Revue passieren lassen hat aber echt schon was fast contemplatives… Dann noch ein kleines Dinner mit den Resten des Tages und ab nach Hause. Hört sich so leicht an, aber es handelte sich hierbei immerhin um nochmal 114 km Gravelroad. Da man dort oben im Hochland weder Radio noch Handyempfang hat muss man sich selber unterhalten und so kam es, dass Caitlin irgendwann fragte, ob wir es schlimm fänden, wenn sie ein bisschen singt. Zum Schluss haben wir dann alle 3 gesungen. Witzig war, dass Maik und ich bei „Country Roads“ sehr textsicher waren und Caitlin, die aus Virgina kommt, keine Ahnung hatte!
Um 1:30 Uhr bin ich totmüde ins Bett gefallen und hatte irgendwie das Gefühl, dass der Boden bzw. die Matratze unter mir hin und her schaukelt und schüttelt…
Ich freu mich schon auf´s nächste Mal!
Inga-Kind