ohwieschoen

Sonntag, November 19, 2006

Island, ein Wintermärchen

Island begibt sich wieder in den zweistelligen Temperaturenbereich. Am Sonnabend war ich mit Helge unterwegs und der Spitzenwert, den wir erreicht haben, lag bei 18° Celsius – MINUS 18°! Ohne Wind. Aber ich beginne von vorne:

Da die Wettervorhersage für Sonnabend einigermaßen gutes Wetter versprach, sind wir also morgens gegen 9:45 Uhr losgezuckelt. Da ging hier gerade die Sonne auf und tauchte die Berge in ein rot, das ich sonst nur vom Alpenglühen am späten Nachmittag kenne. Wunderschön. Diese Stimmung hat man hier übrigens auch den ganzen Tag über, wenn die Sonne scheint, denn es wirkt immer wie ein Spätnachmittag im Winter. Fast wäre unser Trip schon nach 50 km zu Ende gewesen, da wir angehalten hatten, um das Alpenglühen zu fotographieren und als Helge das Auto wieder anlassen wollte kam nur noch das Geräusch einer sterbenden Autobatterie…

Nach einigen gescheiterten Versuchen jemanden mit einem Starthilfekabel anzuhalten, erbarmte sich ein netter Isländer, der das gleiche Auto nur als Familienversion mit eben jener darin, fuhr, uns zu helfen. Starthilfe könne er zwar auch nicht geben, aber immerhin bis zur nächsten Tanke oder Werkstatt schleppen. Aber erst wolle er doch nochmal selber probieren, ob es nicht vielleicht doch ginge. Setzt der sich also in Helges Auto, wackelt einmal am Schaltknüppel und läßt den Wagen einwandfrei an! Heilende Hände! Vielen Dank! Trotzdem haben wir dann an der nächsten Tankstelle nochmal die Spannung der Batterie geprüft – alles supi. Na dann kann es ja beruhigt weiter gehen.

Vorbei an vereisten Meeresbuchten mit Blick auf schneebedeckte Berge dem ersten Ziel Húsafell bzw. dem Barnafoss entgegen. Dieser ist ein Wasserfall, der auf einer relativ breiten Strecke aus einem Lavafeld heraus fließt und gestern ganz toll vereist war. Allerdings war es da auch ganz toll kalt, so dass wir nach einer kurzen Photosession schnell wieder ins Auto mussten, um die Finger aufzutauen – autsch.

Das eigentliche Ziel war aber der Hallmundarhraun, ein Lavafeld in dem sich zahlreiche Höhlen befinden. Wir hatten uns eine Tropfsteinhöhle ausgeguckt, deren Namen ich mir leider nicht merken kann. Er fängt mit „S“ an.
Als wir die geteerte Straße verließen war es trotz Eis auf der Schotterpiste noch ok zu fahren. Auf dem Abzweig zur eigentlichen Hochland-Piste stand dann ein Schild das besagte „impassable“. Allerdings so am Rand der Piste, dass selbst der dickste Monster-Arctic-Truck da noch bequem vorbei gepasst hätte. Also, frei nach dem Motto geht nicht gibt’s nicht und schließlich gilt das Schild sicher nur für Yarisse und andere Kleinwagen, sind wir also mit 4x4 endlich wieder ins Gelände. Vereiste, bis zu 40 cm tiefe Spurrillen und zugefrorene kleine Furten waren dann echt mal wieder tolles Offroad-Feeling. Auf dem Weg zu den Höhlen hatte man mal wieder einen Gletscher im Blick, die Luft war unglaublich klar, kein Wunder bei -18°! Als wir endlich die Hinweisschilder zu den Höhlen gefunden hatten, haben wir uns also mit allem was wir dabei hatten angezogen und sind dann über das vereiste Lavafeld auf die Suche nach dem Einstieg zur Tropfsteinhöhle gegangen.

Nach einigem hin und her laufen ist uns dann ein Steinmännchen aufgefallen und siehe da: ein Eingang zu einer Höhle! Da dort allerdings zahlreiche Eiszapfen und bizzare Eiskristall-Formationen vorhanden waren, sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass es sich hierbei wohl doch eher um die auch ausgeschilderte Ìshellir handeln musste. Aber besser als gar keine Höhle und deshalb also rein da. Leider hatte ich keine Taschenlampe, so dass der Weg runter etwas länger gedauert hat, da Helge mir immer den Weg ausleuchten musste. Hat aber trotzdem ganz gut geklappt. Irgendwann hat man dann auch kein Licht vom Eingang mehr durchschimmern sehen und als Helge meinte, er geht mal eben kurz ein Stück weit alleine vor, um zu schauen, ob es sich noch lohnt weiter zugehen, da hockte ich dann alleine in der absoluten Finsternis. Und hocken ist da wirklich ein guter Ratschlag, denn als ich probehalber einmal aufgestanden bin, hab ich das sofort bereut und mich wieder hingehockt, da meine Orientierung komplett flöten war. Zum Glück kam der Helge aber wieder zurück und meinete weiter gehen lohnt sich nicht so wirklich und deshalb also wieder zurück. Auf dem Rückweg gab es dann noch eine Schrecksekunde, als das Eis unter uns von der einen Seite der Höhle bis zur anderen gesprungen ist. Fieses hohles Knacken und dann mertkt man eine kleine Bewegung, aber zum Glück war alles so durchgefroren, dass man gar nicht einbrechen konnte. Trotzdem hab ich eine leichten Anflug von panik verspürt und war dann echt froh einen Gletscher-erfahrenen Begleiter zu haben, der mir glaubhaft versichern konnte, dass wir da unten nicht elendiglich verrecken müssen. Also wieder raus ans Tageslicht. Dort haben wir dann noch ein bisschen nach dem anderen Höhleneingang gesucht, aber auf Grund der Kälte hab ich dann darauf gedrängt wieder zum Auto zurück zu gehen.

Der Rückweg wurde dann noch einmal durch einen kurzen Einkaufsstopp bei Bonús unterbrochen und um sieben haben wir dann bei Helge ein lecker Essen gekocht. Danach war ich dann eigentlich nur noch reif für den HotPot, aber der hatte schon zu und außerdem arbeite ich ja in der Unterhaltungsindustrie und so sind wir dann also zu mir gefahren. Husch husch umgezogen, etwas angehübscht und dann ab in die Bar11. Zum Glück waren einigermaßen viele Gäste da und so hatte ich gar keine Zeit zum müde sein. Dann sind auch noch Peter und Helge aufgetaucht und auf dem Weg in den Club hat es angefangen zu schneien. Als wir nach knapp zwei Stunden dann die Segel gestrichen haben, hatte sich der Schneefall in einen kleinen Schneesturm gewandelt. 15 cm Schnee in 2 Stunden!

Das Photo hab ich aus unserem Wohnzimmerfenster geschossen, am 19. November 2006 um 2:30 Uhr morgens! Es hat die ganze Nacht durchgeschneit und auch jetzt hört es nicht auf. Draußen fahren Kinder Schlitten und es ist richtig schön winterlich. Ich will auch Schlitten fahren! Hoffentlich bleibt es so schön.

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